Monatsgedanke März 2025
Die ersten Tage des Monats März stehen noch ganz im Zeichen der „Fünften Jahreszeit“, des Karnevals und des Faschings. Kappensitzungen, Straßenkarneval, Büttenreden mit scharfer und süffisanter Feder geschrieben, Heiterkeit, Ausgelassenheit und Lebensfreude in Kostüme ver- und gekleidet, die Ergebnisse der Bundestagswahl und wie es weitergeht – all das schwingt in den Beginn des anbrechenden Frühlings.
Und dann am 5. März, so klingt es wehmütig in den Schlagern zum Aschermittwoch, dann, ja „dann ist alles vorbei…“
Ja und dann – dann kommt die Zeit der guten Vorsätze, mal wieder. Aber, da war doch schon an Silvester und Neujahr etwas mit guten Vorsätzen – oder auch nicht…
Nun ja, Vorsätze sind immer gut… und es lohnt sich auch in diesem Jahr, die am Aschermittwoch beginnende „Fastenzeit“ oder auch österliche Bußzeit für sich ganz persönlich zu nutzen.
„Das Unglück des Menschen rührt daher, dass er unfähig ist, mit sich selbst in einem Zimmer zu sein“, schreibt der französische Philosoph Blaise Pascal. Wer Ablenkung meiden und Stille ertragen kann, merkt wie es um ihn steht. Das ist manchmal schwer auszuhalten und doch eine tiefe, heimliche Sehnsucht.
Ein Trend in New York war die „Quiet Party“ (Eine Quiet Party (oder auch Schweigeparty) ist eine Party, bei der nicht gesprochen wird. Stattdessen wird nonverbal mittels Zettel und Stift kommuniziert, geflirtet und bestellt. Das Konzept wurde von dem Künstler Paul Rebhan und dem Musiker Tony Noe in New York City entwickelt, als sich diese aufgrund zu lauter Umgebungsgeräusche nicht miteinander unterhalten konnten. Die erste Quiet Party wurde im Oktober 2002 in New York City, und später in vielen anderen Städten wie San Francisco, Washington, D. C., Houston, Paris, London, Berlin, Barcelona und Peking, veranstaltet.) Die Single Party, ohne Musik und ohne Worte schleicht sich auf leisen Sohlen zum Erfolg. Drinks gibt es, Stifte und Zettel und sonst: nur Blicke und Körpersprache. Die Idee ist groß. Kein nervtötender geschriebener Small-Talk über wummernden Beats, die direkt in die Magengrube treffen. Keine krampfhafte Suche nach einem lockeren Gesprächsanfang. Kein belangloses Gequatsche.
Dafür die Erlaubnis, einfach da zu sein, zu schauen, wirken zu lassen.
SCHWEIGEN ist MEHR als NICHT REDEN.
Wer mit allen Sinnen still sein kann, schaltet sein Herz auf Empfang und nimmt tiefer wahr, was innen und außen vor sich geht.
„Es ist gut, Menschen zu haben, mit denen man beredt schweigen kann und Orte der Stille, an denen die Seele Abstand nimmt und ihren „Eigen-Sinn“ findet – innere Klärung und Stärkung aus der Tiefe des Seins“ (Melanie Kirschstein, aus „sonntags“).
„Erst das Schweigen tut das Ohr auf für den inneren Ton in allen Dingen“, weiß der Mystiker Romano Guardini.
Wer schweigt und sich im Hören und Wahrnehmen übt, kann sich selbst und anderen näherkommen – und vielleicht auch Gott. Denn das Gebet ist zuerst eine Übung, mit sich selbst in einem Zimmer zu sein…
In diesem Sinne eine gesegnete österliche Bußzeit (Fastenzeit)!
Kooperator Bernhard Bollig